|
“Hai-Light” - Tauchsafari vom 31.05.-07.06.2007
|
|||
|
„Aufstehen, early morning-dive“…- obwohl wir mal wieder freundlich von unserer Reiseleiterin Petra geweckt wurden, fragt man sich doch jedes mal wieder, warum man sich so etwas antut – „Fluch oder Segen“ schießt es mir spontan durch den Kopf. Jetzt aber Augen auf, auch wenn es schwer fällt, um fünf Uhr früh – einer nicht nur im islamischen Reiseland unchristlichen Zeit. ROTES MEER, WIR KOMMEN Auf geht’s, nachdem der erste Schluck Kaffee genossen wurde gibt’s das Briefing, das sich neben den vielen Tauchdetails u.a. zu Flora und Fauna sowie zur voraussichtlichen Strömungsrichtung durch eine fast künstlerisch gestaltete Zeichnung des Tauchplatzes auszeichnet. Anschließend mache ich mich auf zum 8 m breiten Heck der „Sweet Dream“ (unserem Ersatzschiff für die mit Motorschaden ausgefallene „VITA 2“), wo unser Equipment einschließlich gefüllter Tauchflaschen verstaut wird.
|
|
||
|
riesige Tischkoralle |
Rein in die am frühen Morgen noch trockene „Pelle“ und das restliche Gerödel, Buddycheck und ab ins Zodiac, das uns zum Tauchplatz bringt. „One, two, three…“, Rolle rückwärts, und schon sind wir im kühlen Nass, sozusagen in unserem Element. Endlich mal wieder ein paar Blubberblasen machen, sich austarieren und schwebender Weise auf Entdeckungstour gehen – was mit Camera doppelt so viel Spaß macht, egal, ob mit Makro- oder leichtem Teleobjektiv. |
||
|
Nun ist auch klar, warum wir so früh ins Wasser müssen: bei tatsächlich 14 Booten (davon 6 Safari-Boote, Rest „Tagesausflügler“ am Elphinstone Reef muss man zu den ersten Tauchgruppen gehören, um eine Hai-Garantie zu haben, denn bei so vielen Außenbordern der Zodiacs wird´s den Haien dann einfach zu laut. Bei den Tauchgästen handelte es sich um eine bunt gemischte Truppe, u.a. fand sich ein „Sack voll Polizisten“ aus Berlin ein, aber auch andere Berufsgruppen aus Handwerkern und kaufmännischen Bereichen sowie ein Abiturient als „Youngster“ etc. waren vertreten. Von Berlin bis München alle dabei.
|
Napoleon
|
||
|
|
Zum Alltag an Bord gehörten die aus-gedehnten Berichte nach dem Tauchgang genau so, wie die obligatorische Wasserpfeife einer kleineren Gruppe oder einfach ein Schläfchen. Kein Wunder, bei 3-4 Tauchgängen täglich, das macht u.a. aufgrund der knochentrockenen Luft im Tank und den Unterwasser-Druckverhältnissen schnell müde. Da kommt auch mein Buddy mit seinem 900 Seiten-Roman mit dem Lesen nicht so weit wie erhofft.
|
|||
|
Selbstverständlich fehlte auch das „Dekobier“ am Abend nicht, kurz bevor sich fast die Hälfte der Gäste zum Schlafen auf dem Oberdeck eintraf – bei den Temperaturen in der Kajüte eine Wohltat! Wer will sich schon bei laufender Klimaanlage eine Erkältung einfangen? Wir alle erhielten die volle Aufmerksamkeit und Freundlichkeit unserer elfköpfigen Crew, wie wir es auch schon von anderen Tauchsafaris in Ägypten gewohnt waren, egal ob es sich um die in Mainzelmännchen-Manier nahezu unsichtbare Kabinenreinigung einschl. des Faltens unserer Handtücher zu täglich wechselnden Figuren, den fast schon rituellen After-Dive-Cocktail oder Reparaturarbeiten am Equipment handelte – immer wieder erstaunlich!
|
|
|||
|
„Anemone-City“ am Daedalus Reef |
Zu den absoluten taucherischen Highlights zählte sicher die Hammerhai-Schule, die sich über den Köpfen einer Tauchgruppe präsentierte – nur schade, dass gerade aus dieser Gruppe niemand einen Fotoapparat dabei hatte…Aber wir alle sahen während der Tour viel Großfisch, z.B. graue Riffhaie, Weißspitzen-Riffhaie und -Hochseehaie (Longimanus), Napoleons etc... Sehr fotogen zeigten sich die vielen Clownsfische an der „Anemone City“ am Daedalus Riff, das an einer Stelle der Westseite über und über mit Anemonen bewachsen ist – ein absolutes Muss, wenn man an diesem Riff ist! |
|||
|
Auch der Nachttauchgang an Safagas Middle Reef (u.a. Krabben und Nacktschnecken) war einsame Spitze – leider hatten wir wg. des Nachttauchverbots an den strömungsreicheren Riffen auf der Tour nur einmal das Vergnügen. Und sogar für Individualisten gab es eine Besonderheit: eine kleine Gruppe erfahrener Taucher konnte am Südplateau des Elphinstone Riffs, nur „geringfügig“ unterhalb der in Ägypten vorgeschriebenen Maximaltiefe von 40 m, den Torbogen bewundern, der rechts und links von Sarkophag-ähnlichem Gestein flankiert wird.
|
Nachttauchgang: schlafender Kugelfisch |
|||
|
|
Weniger gefallen hat wohl zwei Tauchern, dass sie nach früher Trennung von der Gruppe an der falschen Stelle auftauchten, strömungsbedingt vom Small Brother Richtung Big Brother aufs offene Meer abtrieben und erst nach einer Weile „Wellenreitens“ wieder vom Zodiac aufgelesen wurden, das die beiden an einer ganz anderen Stelle erwartete. Wir alle waren natürlich froh, dass sie gesund zurückkamen, sie selbst waren aber gar nicht gut drauf, so ein Schock muss erst mal verdaut werden. Wie wir hörten, war unser Boot dann seitdem so etwas wie die „Insel der Glückseligkeit“ für die beiden… |
|||
|
Und dann waren da noch die beiden Burschen, die mit ihrer Gruppe nicht an, sondern ca. 10 m vor dem Drop Off an der Riffkante abgesetzt wurden, in gut 4 m „Tiefe“ mit der dortigen Strömung zu kämpfen hatten und sich erst ca. 10 min bzw. 60 Bar später an der Riffkante trafen. Leider stellte kurz darauf einer der beiden einen Defekt an Fini und Octopus fest, womit der Aufstieg obligatorisch wurde. An der Wasseroberfläche wurden die beiden von einer Welle derart durchgerüttelt und in die Brandung gedrückt, dass sie sich nicht mehr gegenseitig festhalten konnten und sich für das mühsame Robben auf die Insel entschieden.
|
Selbstauslöser: „Strandgut“ auf der Insel
|
Vom Deck der Sweet Dream sah das Ganze nach „Zeugenaussagen“ so aus, als würden die beiden das Tagesmotto verwechselt haben und statt eines Fun-Dives eine zusätzliche Trainingseinheit von Kampftauchern abhalten… Da neben Sandra Bullock ein entsprechendes Kamerateam fehlte, war schnell klar, dass es sich auch nicht um einen Drehtag zur weiteren Fortsetzung von „Speed“ handelt, aber Dank der halbwegs vorhandenen Fitness ist die für Taucher ungewöhnliche „Eroberung“ einer Insel trotz teils unappetitlicher Schürfwunden an den Händen noch mal gut gegangen. |
||
|
„Planmäßige“ Landgänge einschließlich der Besuche der Leuchttürme auf Big Brother und dem Daedalus Reef rundeten die Safari ab. Sowohl für diejenigen, die im Rahmen eines AOWD-Kurses mit über den Kopf gestülptem Handtuch die Kompass-Navigation erlernten als auch für diejenigen, die sich auf der jeweiligen Insel einfach mal die Füße vertreten wollten und die Anzahl der Stufen bis zum Aufstieg auf den Leuchtturm zählten.
|
|
|||
|
Der Knüller war dann aber am vorletzten Tag das Captain´s Dinner: wo auch immer der Truthahn aufgetrieben wurde, er stand tatsächlich cross gebraten, mit Gemüse verziert und mit Besteck im Rücken vor uns! Wir ließen uns vom Koch nicht lange bitten, und schnell waren erst unsere Teller, dann unsere Mägen gefüllt. Am gleichen Abend konnten wir das erste Mal ungehindert „einen abbeißen“, und mit unserem Restvorrat an Alkohol konnten wir dann sogar noch unserem Münchener „Eigenbrödler“ mit unserer Lage zu seinem 444. TG gratulieren (Anmerkung der Redaktion: beim nächsten Mal bist DU mit einer Lokalrunde dran, alter Schotte).
|
|
|
„rein in die Schlucht…“ |
Leider wurde auch bei dieser Safari bewiesen, dass Ägyptens Hitze der einen oder dem anderen schon mal bis ins Hirn durchdringen kann – man kann ja mal den seit längerem an der Wasseroberfläche ums Boot kreisenden Longimanus von der ins Wasser ragenden Badeleiter aus mittels Maske begutachten (weiblicher Tauchgast) bzw. einzig mit Flossen „bewaffnet“ ins Wasser springen... Letztgenanntem, einheimischen Guide ging (zur nachhaltigen Belustigung aller Zuschauer) aufgrund der direkten und Zähne zeigenden Kontaktsuche seitens seines Objektes der Begierde so die ägyptische Muffe, dass er genau so schnell wieder an Bord war, wie zuvor im Wasser…
|
|
Unser aller Dank gilt Petra für die hervorragende Organisation im Vorfeld und die informativen Briefings, einzig bei ihr klappte eine schnelle Gruppeneinteilung! Besonders hervorgehoben hat sie sich aber auch mit ihrer täglichen Unterweisung ins „Pfälzische“, so schnell werden wir wohl alle nicht ihr „nei, nunner, gugge, nauf“ vergessen, was so viel heißt wie „rein ins Wasser, abtauchen, alles ansehen und zurück aufs Boot“. Böse Zungen behaupteten jedoch (der Autor enthält sich an dieser Stelle jeden Kommentars), es sei weder Sprache noch Dialekt, sondern schlicht ein Sprachfehler…Wer weiß das schon? ;-) |
Appetithappen: Riesenmuschel mit Hurghada-Seestern
|
|
|
Zu guter letzt bleibt nur noch zu berichten, dass wie immer bei Tauchsafaris auch der Wassergott mit Geschenken bedacht wurde. Besonderer Dank gilt hier dem Tauchfreund Volker, der ihm einen „Aladin“ vermachte, aber sicher wird sich Neptun auch für Maske, Signalboje und Bleitasche eines Tages erkenntlich zeigen… J |
|
Text: Riccy Fotos: Riccy & Thomas |
|
Anmerkung von Volker:
Ein schmerzliches Opfer, bei damals 90% Batterieleistung dürfte er noch etwas durchhalten.